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Ratgeber · Einstieg

Riester und Altersvorsorgedepot – in einfachen Worten

Stand: 25. August 2026 · Lesezeit ca. 5 Minuten · Information, keine Beratung

Sie haben irgendwann einen Riester-Vertrag unterschrieben, zahlen seitdem monatlich ein und bekommen einmal im Jahr einen Brief, den Sie abheften. Jetzt hören Sie, dass sich etwas ändert. Diese Seite erklärt es so, wie man es einem Freund beim Kaffee erklären würde.

Was Riester überhaupt ist

Stellen Sie sich eine Spardose vor, in die Sie jeden Monat Geld werfen. Das Besondere: Der Staat wirft mit. Jedes Jahr legt er 175 Euro dazu, und für jedes Kind noch einmal 300 Euro. Dafür hat er eine Bedingung: Das Geld bleibt in der Dose, bis Sie in Rente gehen, und dann wird es als monatliche Rente ausgezahlt – nicht auf einmal. Das ist Riester. Erfunden 2002, benannt nach dem damaligen Arbeitsminister.

Die Spardose gibt es in verschiedenen Bauarten: als Versicherung (meist mit Garantie und höheren Kosten), als Fondssparplan (das Geld wird in Aktienfonds angelegt), als Banksparplan (Zinsen) oder als Wohn-Riester (das Geld steckt im Eigenheim). Welche Sie haben, steht auf Ihrem Jahresbrief – der heißt Standmitteilung.

Warum viele unzufrieden sind

Zwei Gründe. Erstens: Viele Riester-Verträge sind teuer – die Kosten fressen einen Teil der Zulage wieder auf. Zweitens: Weil der Anbieter garantieren muss, dass am Ende mindestens das Eingezahlte da ist, darf er das Geld kaum in Aktien anlegen. Sicher, aber wenig Wachstum. Die Rente daraus ist deshalb oft enttäuschend klein.

Was das Altersvorsorgedepot ist

1Einzahlen

Flexibel per Sparplan oder Einmalbetrag, ab 120 € im Jahr. Gefördert bis 1.800 € Eigenbeitrag, steuerlich abzugsfähig bis 6.840 €.

2Zulagen bekommen

Bis zu 540 € im Jahr, je Kind bis 300 € (in Höhe des Beitrags), einmalig 200 € unter 25.

3Wachsen lassen

Kursgewinne und Erträge bleiben bis zur Auszahlung unversteuert. Ohne Garantie im freien Depot, mit Garantie im Garantieprodukt.

4Auszahlen ab 65

Bis zu 30 % auf einmal, der Rest als Auszahlungsplan bis mindestens 85 oder als lebenslange Rente. Versteuert wird erst dann – als Einkommen.

Das Altersvorsorgedepot – die Abkürzung ist AVD – ist die neue Spardose, die es ab dem 1. Januar 2027 gibt. Der Staat wirft wieder mit, sogar mehr: bis zu 540 Euro im Jahr statt 175, plus 300 Euro je Kind. Die Bauart ist anders: Das Geld liegt in einem Wertpapierdepot, das Sie selbst zusammenstellen können, ohne Garantie und mit mehr Aktien – also mehr Chance auf Wachstum, aber auch Schwankungen. Wer das nicht will, kann ein fertiges „Standarddepot“ nehmen (billig, vom Anbieter gesteuert) oder ein Produkt mit Garantie. Am Ende gibt es die Wahl: lebenslange Rente, ein Auszahlungsplan bis 85, oder bis zu 30 Prozent auf einmal.

Was am 1. Januar 2027 passiert

Die vier Dinge, die Sie tun können

Sie …Was das heißt
… tun nichtsAlles bleibt, wie es ist. Völlig in Ordnung.
… hören auf einzuzahlenDas Geld bleibt in der alten Dose und wächst weiter, nur ohne neue Zulagen. Die Sparrate können Sie ab 2027 in die neue Dose lenken.
… lassen die neue Förderung in den alten VertragManche Anbieter bieten an, den alten Vertrag ab 2027 mit den neuen, höheren Zulagen weiterzuführen. Die Dose bleibt dieselbe, nur der Staat wirft mehr rein. Das ist nach Anbieterangaben nicht rückgängig zu machen.
… ziehen umDas Guthaben wandert in ein Altersvorsorgedepot Ihrer Wahl. Der alte Anbieter darf höchstens 150 Euro dafür verlangen – und gar nichts, wenn der Vertrag älter als fünf Jahre ist. Zustimmen muss er nicht.

Woran Sie denken sollten, bevor Sie umziehen

Was diese Seite für Sie tut – und was nicht

Diese Seite sagt Ihnen nicht, was Sie tun sollen. Sie zeigt Ihnen, welche Regeln für Ihren Vertrag gelten, was der Umzug kostet und wie er abläuft – damit Sie selbst entscheiden können, allein oder mit einer Verbraucherzentrale. Der Wechsel-Check braucht dafür sechs Angaben, oder Sie fotografieren einfach Ihre Standmitteilung.

Die wichtigsten Wörter

WortBedeutet
ZulageDer Betrag, den der Staat jedes Jahr in Ihre Spardose legt
StandmitteilungDer Jahresbrief vom Anbieter mit Guthaben, Kosten und Zulagen
ÜbertragDer Umzug des Guthabens von einem Vertrag in einen anderen
ÜbertragungswertDer Betrag, der beim Umzug tatsächlich ankommt
BestandsschutzIhr alter Vertrag darf so weiterlaufen wie bisher
Altersvorsorgedepot (AVD)Die neue Spardose ab 2027 – ein Wertpapierdepot mit staatlicher Förderung
StandarddepotDie fertige, günstige Variante der neuen Spardose, vom Anbieter gesteuert
GarantieproduktDie Variante mit Garantie auf 80 oder 100 Prozent des Eingezahlten
AuszahlungsplanDas Geld wird bis zum 85. Geburtstag in Raten ausgezahlt; was übrig ist, wird vererbt
RentenfaktorWie viel Monatsrente Sie je 10.000 Euro Guthaben bekommen – steht in der Versicherungspolice

Kurz gefragt

Muss ich jetzt schnell etwas tun?

Nein. Es gibt keine Frist. Ihr Vertrag läuft weiter, und umziehen können Sie ab 2027 jederzeit.

Verliere ich beim Umzug meine Zulagen?

Nein. Alle Zulagen bleiben. Nur im Jahr des Umzugs wird das umgezogene Geld nicht noch einmal gefördert – Ihre laufenden Beiträge schon.

Ist die neue Spardose besser?

Das kommt darauf an – auf Ihre Kosten, Ihre Restlaufzeit, Ihre Kinder und darauf, wie wichtig Ihnen die Garantie ist. Genau das zeigt der Wechsel-Check als Fakten, ohne Urteil.

Was Sie jetzt prüfen können

  • Finden Sie Ihre letzte Standmitteilung – sie beantwortet die meisten Fragen.
  • Welche Bauart hat Ihr Vertrag: Versicherung, Fondssparplan, Banksparplan oder Wohn-Riester?
  • Wie viele Jahre bleiben bis zur Rente?
Quellen
  • Altersvorsorgereformgesetz (Gesetz zur Reform der steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge), Bundestag 27. März 2026, Bundesrat 8. Mai 2026; BT-Drs. 21/4088 und 21/4996
  • Bundesministerium der Finanzen, FAQ zur Reform der privaten Altersvorsorge

Diese Seite informiert allgemein über gesetzliche Regeln. Sie ersetzt keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung und spricht keine Empfehlung für einen einzelnen Vertrag aus. Für eine persönliche Einschätzung eignen sich die Verbraucherzentralen oder zugelassene Beraterinnen und Berater – wo Sie Beratung bekommen.